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24. International Kite Festival Weifang, 19. - 24. April 2007

Bereits zu Beginn des Jahres begannen die Vorbereitungen für die Reise nach China. Als dann der Zeitpunkt der Abreise immer näher rückte, stieg sowohl die Freude wie auch die Anspannung beinahe täglich. Hier noch einen speziellen Drachen fertig stellen und da einen neuen Effekt einbauen - ich war froh, lagen die Ostertage günstig. Am Samstag 14. April soll es los gehen, zuerst ein paar Tage in Beijing und dann weiter nach Weifang. Am Freitag vorher also alles schön packen - die Kleider und das Beigemüse in eine Sporttasche, die Drachen in einen Golfkoffer.

Samstag ging es los mit einchecken. Beinahe 2 Stunden vor dem Abflug war ich zusammen mit Franziska und unserem Hund am Flughafen. Langsam ging es vorwärts und als wir am Schalter standen, war immer noch reichlich Zeit. Beide Gepäckstücke auf die Waage - zusammen etwas mehr als 40 kg. Das sollte ja auch kein Problem sein, da ich den Golfkoffer als Sportgepäck aufgeben wollte. Die 80 Euro Gebühr hatte ich jedenfalls schon bereit. Dann aber das grosse Erstaunen: "den Golfkoffer dürfen sie nicht als Sportgepäck aufgeben, der geht als normales Übergewicht". In der Liste der freundlichen Dame stand nichts von Kites und deshalb gibt es auch kein Sportgepäck.

Nach Rücksprache mit der verantwortlichen Person am Kundenschalter war wieder einige Zeit verstrichen, das Ergebnis aber das Selbe. 20 kg Übergewicht kosten mehr als das eigentliche Flugticket. So viel konnte ich nicht bezahlen, zumal eine gleich restriktive Handhabung beim Rückflug nochmals so viel gekostet hätte. Ich versuchte verschiedene Personen zu überzeugen, wollte ich doch unter anderem in Weifang meinen letztes Jahr gewonnen Titel nicht tatenlos hergeben. Auch Argumente wie Weltmeisterschaften und Medien halfen nichts. Es steht nichts auf der Liste, also geht es nicht. Es spielte dabei auch keine Rolle, dass in der im WEB publizierten Sportgepäcksbestimmungen Kites enthalten sind, einfach in der am Schalter verfügbaren Liste nicht und dass bei meinen Abklärungen im Vorfeld mir dieses Vorgehen empfohlen wurde.

Zusätzlich kam hinzu, dass durch die Diskussionen so viel Zeit verstrichen war, dass das Check-in für meinen Flug schon geschlossen war. Es bestand ja noch die Option, die Drachen zu Hause zu lassen und einfach als Zuschauer nach China zu reisen. Der nächste verfügbare Flug wäre am Montag gegangen und den Rückflug hätte ich auch 4 Tage später als geplant antreten können (ich wusste bis dahin nicht, dass wenn der Hinflug nicht genutzt wird, auch der Rückflug verfällt). Das endgültige Aus war dann aber der Preis - zum Umbuchen ist die Differenz zwischen meinem Ticket und dem neuen Ticket zu bezahlen und dafür hätte ich 5 Golfkoffer als Übergewicht mitnehmen können.

So blieb mir letztendlich nichts anderes übrig, als meine beiden Gepäckstücke wieder auf den Gepäckwagen zu laden und Richtung Auto zu verschwinden. Franziska tröstete mich auf der Fahrt nach Hause so gut sie konnte. So ganz los wurde ich aber den Frust, die Enttäuschung, die Wut und das ungerecht Behandelt fühlen nicht. Jetzt am Sonntag geht es wieder etwas besser.

Ich wünsche allen, die mit ihrem Gepäck mehr Glück hatten, 2 tolle Wochen China.


Nachtrag 1

Mittlerweile ist es Mittwoch und die letzte Möglichkeit, einen Flug, der rechzeitig zum Drachenfest in Weifang in China ankommt, zu erhalten, ist verstrichen. Die freundliche Dame vom Air France - Kundendienst hatte die unangenehme Aufgabe, mir die Botschaft zu übermitteln. Kites bleiben Übergewicht und werden nicht als Sportgepäck anerkannt. Entsprechend gibt es auch keinen neuen Flug für mich.

Ich übergebe nun die ganze Angelegenheit den Rechtsvertretern und hoffe dabei, wenigsten meine Auslagen wieder vergütet zu erhalten. Wie meine Zukunft in Bezug mit Drachen in Flugzeugen aussieht, weiss ich noch nicht. Es geht dabei nicht um den Bereich, in dem 5 leichte Drachen als Handgepäck oder 200kg Grossdrachen als Fracht transportiert werden oder die Frage, wie die Drachen verpackt werden sollen. Einfach nur, wie können 20kg Drachen neben den regulären 20kg Gepäck ohne grosse Kosten und ohne Willkür mit in das Flugzeug? Möglicherweise setzte ich mich mal hin, frage konkret bei den verschiedenen Fluggesellschaften an (bei Air France weiss ich es ja schon) und erstelle eine Liste. Wir werden sehen . . .


Nachtrag 2

1 1/2 Monate sind nun vergangen. Von Air France habe ich in diesen Tagen ein Schreiben erhalten, in dem sie sich entschuldigen. Mit dabei eine Vergütung meines Tickets sowie eine Entschädigung der weiteren Kosten. So gesehen habe ich keinen direkten finanziellen Schaden aus der ganzen Angelegenheit erlitten. Dazu beigetragen hat sicherlich der Umstand, dass ich bei Air France in Paris per Mail angefragt habe, ob ich meine Drachen im Sommer als Sportgepäck mit auf einen Flug mitnehmen kann. Nach ein paar Rückfragen und Antworten wurde mir dies bewilligt. Diese schriftliche Zusage stand nun aber im Widerspruch zur Ablehnung im April.

Für mich ist die ganze Sache nun erledigt. Fehler dürfen und müssen gemacht werden. Meine Lehren daraus:

  • nach Möglichkeit in einer Gruppe und nicht alleine Reisen (so können Drachen eher in der Freigepäckgrenze untergebracht werden)
  • Abklärungen im Vorfeld schriftlich erledigen
  • eine erste Absage ist keine endgültige Absage (Fluggesellschaften haben oft verschiedene Anlaufstellen, die nicht unbedingt miteinander kommunizieren)
  • eine Mögliche Zusage direkt auf dem Flughafen überprüfen
  • wenn es geht, ein Vorabend Check In nutzen (einerseits bleibt mehr Zeit um zu reagieren und andererseits ist am nächsten Tag möglicherweise anderes Personal am Schalter)
  • was auch immer geschieht, anständig und freundlich bleiben
  • sich bewusst sein, dass Sportgepäckbestimmungen ändern können und das die Fluggesellschaften nicht verpflichtet sind, überhaupt solche zu haben (Marketing / Goodwill)

PS: die oben erwähnte Liste werde ich nicht erstellen. Die Gefahr, dass sich dadurch die Handhabung der Fluggesellschaften im Bezug auf die Beförderung von Drachen sich aus unserer Optik verschlechtert, erachte ich für zu gross.

 


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